TÄGLICHES GEDENKEN FÜR DIE TODESOPFER AN DER BERLINER MAUER

Kapelle der Versöhnung, Bernauer Strasse 4
Werktags, Dienstag - Freitag, 12.00 - 12.15 Uhr

Weihnachtliche und winterliche (Kälte) Pause
bei den Mauertotenandachten
20.12. 2011 - 06.02. 2012 KEINE MAUERTOTENANDACHT !

Die Berliner Mauer gilt als Symbol für die Unfreiheit der DDR-Bevölkerung.
Bis 1989 ließ das SED-Regime an der Mauer gezielt auf Menschen schießen, auf Flüchtlinge, Fahnenflüchtige, Fluchthelfer und andere so genannte „Grenzverletzer“. Einzelne Todesfälle haben sich fest ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben. Doch bis heute sind Zahl, Identität und Schicksal der Todesopfer, die das militärische Grenzsystem an der Mauer in und um Berlin forderte, nicht vollständig bekannt.
Wie viele Menschen kamen zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer ums Leben?
Wer waren diese Menschen?
Unter welchen Umständen starben sie?
Wie gingen die DDR-Behörden mit Angehörigen und Freunden der Toten um?
Welche Reaktionen lösten die Todesfälle in Ost und West aus?

Das Forschungsprojekt „Todesopfer an der Berliner Mauer“ geht diesen Fragen erstmals auf breiter Quellengrundlage nach. Sowohl die Unterlagen des MfS und der DDR-Grenztruppen als auch die Verfahrensakten, die die Staatsanwaltschaft im Zuge der strafrechtlichen Verfolgung von Gewalttaten an der Berliner Mauer angelegt hat, werden systematisch ausgewertet, Zeitzeugen befragt und zeitgenössische Medienberichte herangezogen.
Ziel ist es, sowohl die genaue Zahl der Todesopfer an der Berliner Mauer zu ermitteln, als auch die Lebensgeschichten und Todesumstände aller Mauertoten in Text und Bild zu dokumentieren. Von der militärisch bewachten Grenze, die West-Berlin zwischen 1961 und 1989 umgab, gingen vielfältige Formen der Gewalt aus. Arbeitsgrundlage ist daher eine Definition des Begriffs „Todesopfer an der Berliner Mauer“, die ein Spektrum von fünf Fallgruppen umfasst:

  • Personen, die bei einem Fluchtversuch im Grenzgebiet von Angehörigen der bewaffneten Organe der DDR (i. d. R. durch Schusswaffeneinsatz) getötet wurden oder an den Folgen der dabei erlittenen Verletzungen gestorben sind
  • Personen, die bei einem Fluchtversuch im Grenzgebiet ohne Fremdeinwirkung durch einen Unfall zu Tode gekommen oder an den Folgen der dabei erlittenen Verletzungen gestorben sind (z. B. durch Stürze, Ertrinken, Herzversagen)
  • Personen, die unabhängig von einer Flucht im Grenzgebiet aufgrund von Handeln oder Unterlassen staatlicher Organe der DDR verstorben sind (z. B. West-Berliner, die die Staatsgrenze der DDR „verletzten“, indem sie über die Mauer kletterten oder Ost-Berliner, die versehentlich für Flüchtlinge gehalten und erschossen worden sind)
  • Angehörige der DDR-Grenztruppen, die von Flüchtenden oder im Zusammenhang mit Fluchtaktionen im Grenzgebiet getötet oder tödlich verletzt wurden "
  • Personen, die durch oder bei Handlungen der Grenzorgane zu Tode kamen, z.B. bei einer Kontrolle.


Auf der Grundlage dieser Definition werden alle Todes- und Verdachtsfälle, die in den vorhandenen Listen und in der Sekundärliteratur genannt sind, in einer Datenbank erfasst und überprüft. Mehr als 125 Todesfälle können als gesichert gelten, mindestens ebenso viele Verdachtsfälle müssen geklärt, weitere Fälle gegebenenfalls neu aufgenommen werden.
Die Biographien werden im Rahmen des Kooperationsprojektes „Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961-89“ vom Verein Berliner Mauer - Gedenkstätte und Dokumentationszentrum e.V. und dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam erarbeitet.
Leitung: Maria Nooke M.A. / Dr. Hans-Hermann Hertle Bearbeitung: Christine Brecht M.A. und Dr. Udo Baron Gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Darüber hinaus werden die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit in der Ausstellung der Gedenkstätte Berliner Mauer, am Denkmal in der Bernauer Straße, im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam und auf der Website www.chronik-der-mauer.de zugänglich gemacht.

Am Ende der zweijährigen Projektarbeit steht die Publikation eines biografischen Handbuches, das alle Todesopfer in Texten und Abbildungen porträtiert und die Todesfälle an der Berliner Mauer in den zeitgeschichtlichen Kontext einordnet.

Seit dem 13. August 2005 finden von Dienstag bis Freitag um 12.00 Uhr mittags in der Kapelle der Versöhnung in der Bernauer Straße (Einmündung Hussitenstr.) in Berlin Andachten zum Gedenken an die Todesopfer der Berliner Mauer statt. Im Mittelpunkt jeder Andacht steht die Verlesung der Biografie eines Mauertoten. Die Andachtenreihe wurde von der Versöhnungsgemeinde initiiert. Sie wird mitverantwortet von der „Stiftung Berliner Mauer“. Die Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und das „Bürgerbüro zur Aufarbeitung der SED-Diktatur e.V.“ unterstützen die Initiative.
Im Mittelpunkt jeder Andacht steht die Biografie eines Mauertoten, dessen Schicksal so öffentlich dem Vergessen entrissen werden soll. Ein Name steht für viele, doch jeder Name steht für einen einmaligen Menschen. Das Ziel der Andacht ist es, den Angehörigen Trost zu spenden, dem bürgerschaftlichen Erinnern am historischen Ort eine Form zu geben und das Gedenken an die Toten der Berliner Mauer stärker in der Gesellschaft zu verankern. Bürger und Besucher, Männer und Frauen, Junge und Alte, Angehörige der Opfer und deren Freunde können sich aktiv an den Andachten beteiligen.

Bis Ende 2010 nahmen 17.196 Menschen an den Andachten teil.
Es fanden 864 Andachten statt. Teilnehmer: Ø 20 Personen
Die Kapelle der Versöhnung hatte seit ihrer Einweihung im Jahr 2000,
über 800.000 Besucher.

Kontakt:\ Evangelische Versöhnungsgemeinde
Bernauer Str. 111, 13355 Berlin
Tel. 030 463 60 34
kirche.versoehnung@berlin.de
www.berlin-versoehnung.org

Dokumentationszentrum Berliner Mauer
Bernauer Straße 111, 13 355 Berlin
Tel. 030 464 10 30
info@berliner-mauer-dokumentationszentrum.de
www.berliner-mauer-dokumentationszentrum.de

angebote/thema.txt · Zuletzt geändert: 2011/11/04 10:28 von r.just